Das große Lernen

Dr. Thorsten Pattberg ist Universitäts-Dozent an der Peking Universität

BOCKUM-HŐVEL – China wird oft als der schlafende Drache bezeichnet. Für Dr. Thorsten Pattberg, der seit vielen Jahren Dozent an der Peking University ist, wacht der Drache allerdings langsam, aber gewaltig auf. “Das sieht man nicht zuletzt an den Erfolgen der Chinesen bei den Olympischen Spielen in London”, sagt der 35-Jährige, der in Bockum-Hövel geboren wurde.

Zurzeit ist Pattberg wieder bei seinen Eltern am Dohlenweg, der er regelmässig besucht. Seine berufliche Laufbahn ist bemerkenswert. Nach dem Abschluss an der Realschule Bockum-Hövel absolvierte er eine Ausbildung zum Justizangestellten am Hammer Amtsgericht, wechselte dann zur Staatsanwaltschaft Münster. In Edinburgh (Schottland) studierte er anschließend Chinesisch und widmete sich ostasiatischen Studien. Weitere Stationen waren danach Shanghai, wo er an der Chinese Academy of Science ein Projekt koordinierte und das Max-Planck-Institut in Shanghai sowie die Universität von Tokyo, an der er als “ausländischer Forscher” beschäftigt war.

Hier begann bereits seine Arbeit über den mittelalterlichen Buddhismus in China und Japan, die er als “Visiting Fellow” an der Harvard Universität vertiefen konnte. Im August 2007 kam der Ruf an die Peking University. Dort machte er seinen PhD (Doctor of Philosophy) mit einer Dissertation uber “The Shengren translated and understood in the German Context”. Im Laufe der Zeit entwickelte sich Pattberg zu einem Experten auch für die beiden anderen großen Philosophien Konfuzianismus und Taoismus. Er spricht fliessend Chinesisch, beherrscht Sanskrit und hat viele Artikel und Essays sowie Bücher veröffentlicht. Seine Arbeit sei ein Beitrag zur Kulturverständigung, sagt Pattberg. “Es geht weltweit nichts mehr ohne China”, ist er überzeugt.

Trotz der wissenschaftliche Karriere Pattbergs ist seine Lebensweise durchaus kurios. Seinen Erstwohnsitz hat er nämlich inTokyo, wo er mit seiner taiwanesischen Frau Yu-Tien und seiner kleinen Tochter lebt. Zur Arbeit fliegt er nach Peking. Peking sei eine sehr traditionelle und dennoch sehr politische Stadt, sagt der Bockum-Höveler. Nicht zu vergleichen mit den sehr westlichen Städten Shanghai oder Hongkong. Die Universität inPeking– in der Landessprache Beijing Daxue genannt – sei etwas ganz besonderes. Daxue bedeutet übersetzt so viel wie “Das große Lernen”. “Die Professoren gelten als große Weise und Universalgelehrte”, erklärt Pattberg.

11. August 2012 Westfälischer Anzeiger, NRW www.wa.de

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