Japans Abstieg – Korea bald reicher als Japan?

Tokyo Sky Tree: "Kann man uns in Beijing sehen?"

Tokyo Sky Tree: "Kann man uns in Beijing sehen?"

Japans Abstieg: Bald nur noch Mittelmacht? Korea reicher als Japan?

BEIJING/TOKYO – Es ist offiziell: Koreas Bruttoinlandsprodukt pro Kopf wird in den nächsten fünf Jahren an Japan vorbeiziehen. Singapur, Hong Kong, und Taiwan sind schon reicher, seit 1993, 1997, und 2010.

Japan ist unregierbar, wettert Frau Makiko Tanaka, Abgeordnete im Unterhaus. Sie hat ja recht. Fünf egale Premierminister in sechs Jahren, und den neuen, Yoshihiko Noda, kennt im Ausland auch kein Schwein.

Dann kamen noch die Naturkatastrophen. Eigentlich kommen die ja regelmäßig: Tsunamies, Taifune, Erdbeben der Stärke 7. Selbst der heilige Berg Fuji kann jederzeit in die Luft fliegen. Letztes Jahr schlugen die Wasserelemente zu. Die Wellen in Fukushima sprangen so hoch, dass sie ein Atomkraftwerk einrissen. Japan wollte immer die Nachhaltigkeit. Jetzt ist sie da. Nur eben anders als gewollt. Jetzt ist Fukushima nachhaltig verstrahlt.

Die Őkonomie steht eigentlich gut dar. Nur, seit dreißig Jahren hat sie sich nicht mehr gerührt. Das Economist Magazin läßt verlauten, daß Singapur, Hong Kong (das gehört zu China!), und Taiwan (die ehemalige Kolonie) längst das Pro-Kopf Einkommen Japans überholt haben. Nun zieht auch noch Korea (noch eine ehemalige Kolonie) frech an Japan vorbei. Das kann den “fetten Katern” die Japan regieren natürlich egal sein. Die werden im Schnitt immer reicher, wie alle Eliten in der Welt. Aber, das Image ihres Landes ist angekratzt, und das globale Plutoriat notiert sich soetwas. Reich wird man jetzt woanders! Das ist nicht mehr Big in Japan –das ist Mist!

Sogar Der Spiegel, Deutschland’s größtes Klatsch-/Nachrichtenmagazin, hat seinen letzten Journalisten aus Nippon abgezogen. Dann ist auch wirklich nichts mehr los.

Die dicke Haut Japans sind die vielen Menschen, fast 127 Millionen Konsumer. Doch die sind kinderarm und werden älter. Und also konservativer. Und natürlich nicht internationaler. Wo sollen die Japaner auch hin? Keine Kultur gleicht dem Japanischen.

Lebensqualität sieht anders aus als Shinjuku, Shibuya, oder Ikebukuro mit ihren viel zu vielen Menschen, auch minus dem ungesunden Klima und den ständigen Mini-Erdbeben. Ja, Japan hat das alles immer kompensiert mit einer nahezu perfekten Infrastruktur und mit Elektrospielerein wie sprechende Badewannen und warme Toilettensitze, natürlich. Aber die Städte sind trotzdem häßlich und die Wohnungen in Japan sind klein wie Kaninchenställe. Die Kinderlosigkeit ist zur Epedemie geworden. Konformität macht das Leben in Japan unattraktiv für Ausländer. Große Reformen in Politik und Wirtschaft wie zum Beispiel die Erhöhung des Frauenanteils in der Erwerbstätigkeit bleiben aus. Selbst die US-Soldaten in Futenma wollen jetzt umziehen. Allein, das sich mal was bewegt.

Das große China hat das kleine Japan längst mit dem Bruttoinlandsprodukt überholt. Das muss man wegen der Landmasse Chinas und seinen vielen Einwohnern fast als Naturgesetz hinnehmen. Nach Kaufkraftbereinigung ist China mit $11,3 Billionen schon mehr als doppelt so wohlhabend wie Japan mit seinen $4.4 Billionen. (Deutschland hat $3.1 Billionen) Und das Mittelreich wächst noch weiter, während Japan nur noch schrumpfen kann. Tokyos Kaufhäuser sagen für chinesische Gäste durch. Nippon wird zum Land der aufgehenden Schnäppchen. Wer aus den gehobenen Schichten Shanghais, Shenzhens, oder Hong Kong anreist, findet Tokyos Ginza fast schon zu billig.

Natürlich, Japan wird immer eine Wirtschaftsmacht bleiben. Nippons Wirtschaftkraft ist fast 1,5 Mal so groß wie die Deutschlands. Aber Deutschland ist in der EU-27 und hat neun kleinere aber direkte Nachbarstaaten die es alle dominieren darf. Und Deutschland bezeichnet sich stets gerne als “der Westen”, ein Privileg und der Ruf zu etwas Höherem. All diesen Luxus (und die Arroganz die dadurch aufkommt) hat Japan leider nicht.

Und obwohl Deutschland so fernab liegt und keine kulturellen Gemeinsamkeiten mit China vorweisen kann, konkurriert man in vielen Industriebereichen mit dem europäischen Primus, zum Beispiel im Export von Autos. Und ausgerechnet vor der eigenen Haustür, in China, verdienen die Deutschen jetzt das große Geld. Nippon kann und muss im Mittelreich aufs Gas treten. Sonst wird Japan zur schwächsten Mittelmacht.